Gedanken zum letzten Sonntag nach Epiphanias

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Gedanken zum letzten Sonntag nach Epiphanias

Über Dir geht auf der Herr und seine Herrlichkeit erscheint über dir.   Jes. 60.

Liebe Schwestern und Brüder!

Noch einmal, ein letztes Mal Weihnachten, an diesem letzten Sonntag nach dem Epiphaniasfest. Das Bild vom „aufgehen des Herrn über dir“ erinnert noch einmal an den Stern von Bethlehem, dem die Weisen aus den fernen Ländern gefolgt sind und der, nicht nur für sie, zum Hoffnungsträger wurde. Was in den alten Schriften von einem neuen König gesagt war, der Recht und Gerechtigkeit zu seinem obersten Gebot gemacht hat, das erfüllte sich für sie in diesem Kind in der Krippe. Der Stern wies ihnen den Weg.

Für uns ist Weihnachten gefühlt schon ewig weit weg. Die Tannenbäume haben längst den Weg in den Schredder gefunden, die Geschenke sind schon fast vergessen (was hast Du mir eigentlich im letzten Jahr zu Weihnachten geschenkt?) Und all die Stimmung, die von den Weihnachtsmärkten herüber schwappte, ist längst verflogen. Und doch holt mich gerade das Wetter ein wenig wieder zurück. Ich sitze hier und schaue raus und es schneit. Die ganze Welt scheint mit einem dünnen Zuckerguss überhäuft zu sein. Und unweigerlich kommt auch das längst ad acta gelegte Jingle Bells wieder hoch. Ich kann mich nicht wehren. Und da ist er dann auch wieder, der Stern, der den Weisen vorangegangen ist. Irgendjemand aus der Nachbarschaft hat ihn wohl übersehen und so prangt er immer noch, und dann doch irgendwie wieder in die Zeit passend, am Fenster unserer Nachbarn. Und so gelingt es mir, noch einmal zurückzukommen zu dem Fest, das im Allgemeinen als das größte Fest der Christenheit gilt, nachzudenken. Danke Stern.

Nun ja, es ist ja auch nicht so einfach, umzuschalten und damit meine ich nicht das wieder hochholen der vergangenen Stimmung. Was ist in diesem Jahr, in diesem einen Monat nicht schon alles passiert? Gescheiterte Friedenverhandlungen um die Ukraine, neu Zölle als Strafe dafür, dass man einem größenwahnsinnigen Präsidenten nicht ein Stück Eis gönnt, wenn er schon nicht Kanada haben kann. Dazu kommen neue Unruhen in den bekannten Ländern wie dem Sudan, eingestürzte Diskotheken und Zugunglücke.

Und auch unsere Weisen aus dem Morgenland sind wieder auf dem Weg nach Hause. Und auch da erwartet sie genau das, was sie auch verlassen haben, bevor sie dem Stern gefolgt sind. Was das damals für Katastrophen waren, das wissen wir gar nicht, aber das Paradies war es dann eben auch nicht. Es ging also auch damals alles so weiter wie bisher.

Und doch war der Gang zur Krippe für diese Männer mehr als nur ein mehrtägiger Ausflug. Hier bei diesem Kind hatte sich für sie alles verändert. Nichts war mehr so wie es war. Nicht umsonst waren die Länder, aus denen sie kamen, so z.B. Äthiopien eines der ersten Länder, in denen das Christentum verzeichnet werden konnte. Das Kind in der Krippe und hernach der Mann am Kreuz haben der ganzen Welt eine neue Perspektive gegeben. Es sind dann eben nicht die Gräueltaten der Menschen, Gewalt, Mord und Krieg, Machstreben und das Gehen über Leichen, die das Leben prägen und ausmachen. Es ist das, was dieses Kind in die Welt gebracht hat, die Liebe Gottes, seine Nähe zu uns Menschen und sein Ja zu uns in all unserer Schwachheit.

Der Prophet Jesaja, aus dessen Buch unser Wochenspruch stammt, bringt es da auf den Punkt. Es ist nicht das Elend, das unser Leben bestimmt, sondern die Herrlichkeit Gottes. Er ist kein ferner Gott, die irgendwo auf einem Stern sitzt, und dem Treiben der Menschen nur zusieht, nein er ist ein Gott, der mittendrin ist im Geschäft dieser Welt und gegen alle Ungerechtigkeit und gegen jeden Hass seine Liebe setzt. Dem Volk, das damals noch in der Verbannung saß, wird Heil und Freude zugesagt, weil Gott da ist und für seine Volk sorgt, so das Evangelium eines Jesaja, und dem entsprechen bei uns Krippe und Kreuz. Beides steht unverrückbar in unserer Welt und beide zeugen von der großen Liebe Gottes zu uns.

Und weil sich das nicht nur auf ein paar stimmungsgeladene Zeiten im Jahr bezieht, sondern auf das ganze Leben, ist Weihnachten auch jetzt noch nicht vorbei. Auch wenn wir heute aus dem Weihnachtskreis heraustreten.

In diesem Sinn wünsche ich euch allen eine gute Woche und: bleibt alle gesund.

 Euer P. Gräwe

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