21/03/2026 0 Kommentare
Gedanken zum Sonntag Judika
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Gedanken zum Sonntag Judika
Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele. Mat. 20,28
Liebe Schwestern und Brüder!
Ein Wochenspruch, der es in sich hat, der gerade in der heutigen Zeit viel Zündstoff beinhaltet. Warum? Nun, ich denke, weil er mit seiner Aussage so ganz und gar nicht hineinpasst in unsere Welt.
Da steht vor allem das Wort „dienen“ im Vordergrund. Wer will heute schon gerne dienen? Wir wollen alle herrschen, Macht ausüben, groß und überlegen sein. The winner takes it all. Wer will da schon ein Diener sein. Aber das Kommen Jesu in unsere Welt macht dann eben auch deutlich, wie sehr Gott die Vorzeichen dieser Welt auf den Kopf stellt.
Das macht vor allem der Kontext unseres Wochenspruches deutlich. Da kommen zwei Jünger, die Söhne des Zebedäus, mit ihrer Mutter zu Jesus. Und die Bitte, die sie haben, ist menschliche verständlich. Sie sagen: Gut, wir sind nun mit dir, Jesus, durch die Welt gelaufen, haben alles verlassen und so manche Entbehrungen auf uns genommen. Was kriegen wir jetzt dafür? Wir könnten uns vorstellen, dass du dafür sorgst, dass wir beide im künftigen Reich Gottes, einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken auf gehobenen Positionen sitzen. Und selbst als Jesus sie darauf hinweist, dass das nicht so einfach ist, behaupten beide, dass sie durchaus den Kelch trinken können, den er auch getrunken hat. Das heißt also, sie sind durchaus bereit, auch das damit verbundene Leiden auf sich zu nehmen. Und auch, wenn die anderen Jünger – und so manchen von uns vielleicht auch- darüber empört sind, so folgen die beiden „Antragsteller“ doch eigentlich nur den Gesetzen der Welt.
„Von nix kommt nix!“ sagt man hier im Ruhrgebiet. Umsonst ist der Tod, und der kostet das Leben. Jede Leistung, die erbracht wird, hat seinen Preis. Ein Diener sein, der alles umsonst macht, ist nicht besonders populär. Und selbst die, die sich als erste Diener eines Landes nennen, verstehen unter Dienst scheinbar auch etwas ganz anders als das, was Jesus hier meint. Und da denke ich nicht nur an Herrn Erdogan oder Herrn Bolsonaro, Herrn Putin Herrn Trump und wie die Diktatoren dieser Welt sonst noch alle heißen mögen.
Nein, mit dem Dienen, so wie Jesus es versteht, haben wir es heute nicht so. Wusch er damals noch seinen Jüngern die Füße, was sonst nur Sklaven taten, um zu zeigen, was er unter „dienen“ versteht, verstehen wir das von einem, der vorgibt, der Menschensohn zu sein, also der Sohn Gottes, ganz und gar nicht. Aber nur so zeigt uns Gott seine Liebe, indem er einer von uns wurde und nicht über uns steht. Er geht den Weg, den so viele vor und nach ihm auch gegangen sind und auch heute noch in den Lagern und Gefängnissen dieser Welt Folter und Tod ausgesetzt sind. Aber so weit müssen wir gar nicht gehen.
Was Leiden bedeutet, leiden unter Schmerzen, Behinderungen, seelischen und körperlichen Einschränkungen, das weiß eigentlich jeder. Jeder von uns hat schon einmal in einem dunklen Loch gesessen und nicht mehr wusste wie es weitergehen soll. Und da nutzt es gar nichts, wenn einer von oben reinschaut um uns zu beruhigen. Jesus sitzt mit uns in diesem Loch neben uns und sagt, dass wir nicht allein sind. Das ist der Unterschied zu anderen, die sich „Diener“ nennen. Jesus handelt mit und an uns, er redet nicht viel drum herum.
Wie hohl Worte oft klingen, das sieht man gerade heute in einer Zeit der „vielen Versprechungen“. So verständlich also die Bitte der zwei Jünger ist, so geht sie doch weit an dem vorbei, was Jesus will. Doch wenn alle diesen Weg gehen würden und nicht dauernd danach fragen würden, was man für seine Leistung kriegt, wenn man also wirklich den Weg des Dienens gehen würde, dann sähe die Welt bestimmt besser aus. Das wir und nicht falsch verstehen. Hier geht es nicht darum, dass jede Leistung auch ihren Preis hat, man muss ja schließlich auch leben. Hier geht es vielmehr darum, den Menschen in den Vordergrund zu stellen und nicht den Preis oder anderes.
Und nun wünsche ich euch allen eine gute Woche und: bleibt alle gesund.
Euer P. Gräwe
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