20/06/2026 0 Kommentare
Gedanken zu 3. Sonntag nach Trinitatis
Gedanken zu 3. Sonntag nach Trinitatis
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Gedanken zu 3. Sonntag nach Trinitatis
Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Lk. 19,10
Liebe Schwestern und Brüder!
Unser heutiger Wochenspruch aus dem Lukasevangelium steht am Ende, so zu sagen als Quintessenz, der Geschichte von der Berufung des Oberzöllners Zachäus. Wir erinnern uns! Der kleine, korrupte und miese Oberzöllner Zachäus, der den Leuten das Geld aus der Tasche zog, mit den verhassten Römern kollaborierte und den eigenen Landsleuten in den Rücken fiel und so immer nur auf den eigenen Vorteil bedacht war, hatte gehört, dass Jesus in die Stadt kommt. Was sollte er tun, um den Megastar zu sehen? Er war zu klein, um über die Massen hinwegzusehen, ihn durchzulassen, wie man das bei solchen Veranstaltungen bei Kindern tut, daran dachte keiner auch nur ansatzweise. Aber der Kleine war pfiffig. Er klettert auf einen Maulbeerbaum. Und jetzt konnte er die Szene kontrollieren. Doch was dann kam, damit hatte er nicht gerechnet. Jesus sieht ihn, spricht ihn an und lädt sich und seine Jünger bei ihm zum Abendessen ein. Diese Begegnung veränderte sein ganzes Leben. Er kehrt um und wurde ein Jünger Jesu. Das hatten natürlich die Pharisäer mitbekommen und die fanden das überhaupt nicht gut. Wie kann er das tun, zu so einem Kerl zu gehen? Und Jesus kontert mit den Worten unseres Wochenspruches.
Eine tolle Geschichte! Aber was hat sie mit uns zu tun? Nun, zunächst einmal die Frage, wer denn nun zu den Verlorenen gehört. Gestern bin ich nach langer Zeit mal wieder in der Stadt gewesen. Ich habe nicht mitgezählt, aber es waren mindestens 10 junge Menschen, die mich um Geld angebettelt haben. Sie sahen alle nicht gut aus, heruntergekommen, von Drogennadeln zerstochene Arme, mit fahler Hautfarbe und eingefallenen Gesichtern. Sind das die Verlorenen unserer Gesellschaft? Sicherlich auch. Nach Berichten in der Zeitung gehört diese Bevölkerungsgruppe zu den Problemfeldern in unserer Stadt. Aber Zachäus war reich. Gehören also auch die zu den Verlorenen, die am Tag 10.000€ ausgeben können und jeglichen Blick für die Armut um sie herum verloren haben? Sicherlich, die auch. Und wie ist das mit mir? Gehöre ich auch dazu, mir, dem es gut geht, der sein Auskommen hat, nicht von Armut betroffen ist, sich keine materiellen Sorgen zu machen braucht und ein Dach über dem Kopf hat? Da wird es schon schwierig, oder?
Wer braucht denn Jesus, diesen auf die Erde gekommenen Sohn Gottes, der für uns alle bis ans Kreuz gegangen ist. Kann da einer sagen: Für mich musste er das nicht tun, ich tue Gutes und scheue keinen? Genau das haben die Pharisäer damals auch gesagt. Und das ist die Ironie der Geschichte. Die, die ihn brauchen, merken es gar nicht, ja sie lehnen ihn sogar ab. Die verlorenen Kinder unserer Zeit sind, wie damals auch, kein Problem einer gesellschaftlichen Schicht, verloren sind wir alle da, wo wir meinen, ohne diesen Heiland auskommen zu können. Die Mitgliederzahlen in den Kirchen werden immer geringer. Und dabei sind es nicht einmal die Skandale, die Menschen aus der Kirche treiben. Nein, laut Umfrage kommen die meisten ohne Gott aus. In unserer Wohlstandsgesellschaft scheint man keinen Heiland mehr zu brauchen, der ist man sich selber. Doch auf der anderen Seite scheint menschliches Zusammenleben ohne Gott auch nicht so recht zu funktionieren. Niemals in der Geschichte unseres Volkes hat es so viele Scheidungen und so viel Einsamkeit gegeben wie heute. Es fehlt an Orientierung, an klaren Maßstäben und einer eindeutig gültigen Ethik.
Woran soll ich mich halten, wenn alles im Leben egal ist? Das ist heute die große Frage. Wahres und erfülltes Leben gibt es nur bei Jesus. An ihn kann ich mich halten und bei ihm finde ich klare Richtlinien. Das durfte Zachäus damals erfahren. Ich wünsche uns allen auch diese Erfahrung, ohne ihn können wir nicht selig werden.
Euer P. Gräwe
Ps. In den nächsten zwei Wochen wird es keine Andacht geben, da ich im Urlaub bin. Also: Bis bald
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