09/05/2026 0 Kommentare
Gedanken zum Sonntag Rogate
Gedanken zum Sonntag Rogate
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Gedanken zum Sonntag Rogate
Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.
Ps. 66,20
Liebe Schwestern und Brüder!
Nach den schönen Sonntagen Jubilate und Kantate, kommt nun der Sonntag Rogate. Nach dem Jubeln und dem Singen kommt nun das Beten. Doch eigentlich ist das, wenn ich es so formuliere, falsch. Denn beim Jubeln Singen und Beten geht es ja nicht um ein Nacheinander, sondern um ein „Gleichzeitiges“. Eine christliche Gemeinde ist immer auch zugleich eine jubelnde, singende und betende Gemeinde. Und das gilt, so denke ich auch für jeden einzelnen Christen.
Unser heutiger Psalm, aus dem der Wochenspruch stammt, ist ein Lied, das voll ist vom Lob Gottes. Es besingt seine großen Taten in der Geschichte der Welt, seines Volkes Israel und an dem Sänger ganz persönlich. Leid und Elend, Angriffe durch Feinde und falsche Anschuldigungen werden nicht verschwiegen, und in allem gilt hier das Gebet als eine durchgehende Konstante, die den Beter in allen Situationen fest an Gott gebunden hat.
Alles, was ihn bewegte hat er in seinen Gebeten vor Gott gebracht und selbst dann, wenn nicht alles so gekommen ist, wie er sich das vorgestellt hat, war dieses Band der Verbundenheit durch das Gebet immer da. Das fortlaufende Gebet erzählt so eine Geschichte, die der Beter mit seinem Gott erlebt hat. Und in dieser Geschichte wird dann deutlich, dass der Beter nie allein war, dass Gott immer mit ihm unterwegs war, nicht als der, der vor allem Schaden bewahrt oder als einer, der allen Schaden nach seinen Wünschen heilt, sondern eher als einer, der da war und ist, mit dem ich mein Leben teilen kann, der als Freund und Vater an meiner Seite ist, so dass ich mit ihm sprechen kann.
Von dem alten Pastor Kuhlo, dem Posaunengeneral, wie man ihn auch nennt, ist bekannt, dass er jeden Abend auf den Knien seinem Gott in ganz kindlicher und naiver Weise von seinem Tag erzählt hat, so wie ein Kind seiner Mutter erzählt, wie es denn so in der Schule und mit den Freunden gewesen ist. Hier ist das Gebet etwas ganz Persönliches, etwas, was nur den einzelnen und Gott etwas angeht. Und genau so dürfen wir mit Gott sprechen, denn Jesus hat uns erlaubt, Gott als Abba anzusprechen, was übersetzt Papa, heißt.
Ein Gebet ist somit eigentlich etwas ganz Persönliches, es ist aber auch eine Möglichkeit, Weltverantwortung zu übernehmen, in dem ich die Sorgen der Welt vor Gott trage. Auch das gehört mit zum Gebet. Da, wo ich die Sorgen dieser Welt sehe und mich oft so ohnmächtig und hilflos fühle und auf das sehen muss, was so grausam ist und wo ich doch so wenig tun kann, darf ich diese Not als meine eigene Sorge vor Gott tragen und ihn bitten, einzuschreiten und zu helfen. Ich denke hier vor allem an all die Opfer der derzeitigen Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten und in vielen Ländern Afrikas und vor allem an all die Glaubensschwestern und Brüder in diesen Gebieten. Und so übernehme ich Verantwortung für alle diese Menschen, in dem ich ihre Sorgen zu meinen mache und diese dann vor Gott bringe.
Aber wie ist das denn nun mit der Gebetserhörung. Jesus hat einmal gesagt, Markus überliefert uns dieses Wort: ‚Darum sage ich euch: Alles, was ihr betet und bittet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteilwerden.‘ Aber stimmt das? Unsere Erfahrungen sind da doch ganz anders, oder nicht. Wie oft haben wir schon für den Frieden in der Welt gebetet, und was ist? Es gibt immer noch keinen Frieden.
Zwei Dinge sind dabei ganz wichtig. Wenn Jesus das hier so sagt, dann spricht er vom Glauben und das heißt vom Vertrauen darauf, dass Gott alle Dinge zu Besten wendet. Hier geht es also nicht um einen Lottogewinn oder um die Erfüllung all unserer Träume. Allein der Glaube kann davon ausgeht, dass nichts unmöglich ist bei Gott. Und das Zweite hängt damit ganz eng zusammen. Gott ist kein Gebetsautomat, wo ich oben mein Gebet hineinwerfe und unten kommt die Erfüllung heraus. Gott ist und bleibt der Souveräne, der weiß, was gut für uns ist und der längst auf dem Weg ist, um zu helfen. Und dennoch dürfen wir mit allem immer wieder zu ihm kommen, Er wartet darauf.
Und nun wünsche ich euch allen eine gute Woche und: bleibt alle gesund.
Euer P. Gräwe
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