10/10/2026 0 Kommentare
Gedanken zum 19. Sonntag nach Trinitatis
Gedanken zum 19. Sonntag nach Trinitatis
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Gedanken zum 19. Sonntag nach Trinitatis
Heile Du mich, Herr, so werde ich heil; hilf Du mir, so ist mir geholfen. Jer. 17,14
Liebe Schwestern und Brüder!
Ich denke, viele von uns kennen die Situation, hinter der dieser Schrei des Propheten Jeremia steckt. Egal, was man tut, sagt und plant, immer wieder gibt es nur Kritik, Meckerei und Angriffe. Man ist bemüht und glaubt sich auch auf dem richtigen Weg und immer wieder wird einem gesagt, dass alles, was du tust nicht reicht, nicht genug und außerdem fehlerhaft ist. Das gibt es im Beruf, wenn bestimmte Entscheidungen Neider auf den Plan rufen, das gibt es bei uns Bläsern, wenn man immer nur gesagt bekommt, dass man entweder zu laut oder zu falsch spielt, den falschen Ansatz hat, die Höhe nicht richtig im Griff hat und vieles andere mehr und das gibt es, leider, auch in so manchen Familien, wenn man nicht genug Verständnis und Mitgefühl zeigt und andere Familienmitglieder sich vernachlässigt fühlen. Und dabei meint man es eigentlich gut und tut das, was man für das Beste hält. Doch am Ende kommt nur Kritik dabei heraus. Und aus der Freude, etwas angefangen zu haben, wird nur Frust und man möchte man liebsten alles hinschmeißen. Doch auch das geht nicht so einfach, denn schließlich hat man ja einmal das, was man tut mit seinem Herzblut getan. Man war angetreten mit seinem Instrument, um Gott die Ehre zu geben und den Menschen Freude zu bringen. Und auch seine Familie hat man doch wirklich richtig lieb, auch wenn man das oft nicht so zeigen kann. Sogar der Beruf, den man gewählt hat, hat man nicht aus einer Laune heraus gewählt, der lag einem auch man Herzen. Doch am Ende scheint alles kaputt zu sein und es bleibt nur noch der Frust und das Verlangen, einfach Schluss mit allem zu machen, ganz woanders von vorne anzufangen und alles hinter sich zu lassen. Und viele tun das, auch wenn das, so denke ich, auch keine Lösung ist. Man kann dann eben nicht vor sich selbst fliehen.
So ähnlich muss es auch unserem alten Propheten Jeremia ergangen sein. Nur das er von Anfang an diesen Beruf des Propheten gar nicht wollte. „Ich bin viel zu jung“ hielt er Gottes Berufung entgegen. Aber der ließ ihn nicht los und schickte ihn, so zu sagen, in die Höhle des Löwen. Das Volk, dem er das Wort Gottes auszurichten hatte, verklagte und verfolgt ihn, bedrohte ihn mit Strafen und sogar mit dem Tod. Jeremia ist verzweifelt und am Ende. Er will nicht mehr, er hat die Nase gestrichen voll, wie so mancher von uns zu bestimmten Zeiten. Immer nur Kritik, nie einmal etwas Positives, immer nur Meckerei und Vorwürfe, schwere Anschuldigungen bis hin zu Beleidigungen, wer hält das auf die Dauer schon aus? Übrigens, so ganz nebenbei, wurde Jeremia mit den Fliehenden nach der Eroberung Israrels nach Ägypten verschleppt, wo er aber wohl nicht ankam, weil man ihn unterwegs umgebracht hatte. Wie entsetzlich, so ein Schicksal! Und was tut er, um sich immer wieder neuen Mut zu holen? Er wendet sich in seiner Not an den, der ihn berufen hat und ihn in solche Situationen gebracht hat und schreit seine Not heraus. Wenn einer helfen kann, dann dieser Gott, der ihn dahin gebracht hat, wo er jetzt ist. „Hilf du mir, dann ist mir geholfen“ so schreit er und wirft Gott seine ganze Not vor die Füße. Und Gott hört ihn und lässt sich seine Klage gefallen. Er ist dann doch kein ferner Gott, er ist da, wenn er gebraucht wird, er tröstet, richtet wieder auf und schenkt die Überzeugung, dass sein Prophet vielleicht sogar als einziger auf dem richtigen Weg ist. Die Klage und der Schrei des Jeremia geht nicht ins Leere, sie erreicht das Ohr Gottes, der hilft, heilt und rettet. Das erinnert dann sehr stark an den Schrei Jesu am Kreuz „Mein, Gott, warum hast du mich verlassen?“. Hier haben wir die gleiche Situation wie bei Jeremia und vielen von uns. Und genau so wie Gott bei Jeremia war, so war er auch bei seinem Sohn. Auch wenn es so aussah, dass niemand mehr da war, der helfen konnte und Gott sich vollkommen zurückgezogen zu haben schien, so war Gott doch da, er stärkte den Jeremia und erweckte seinen Sohn von den Toten. Und ich denke, genau so ist er auch heute noch für uns da. Auch unsere Klage, unseren Frust und unsere Verzweiflung hört er und auch heute noch will er für uns da sein, um uns zu trösten und auf unserem Weg weiterzuführen. Frust, Meckerei und ständige Kritik wird es immer geben, weil es immer Menschen gibt, die daran einfach Freude haben, andere zu kritisieren, statt sie zu loben und aufzubauen, wir aber dürfen wissen, dass wir alle von Gott geliebte Kinder sind, denen er beisteht. Vielleicht hilft das ja, so manchen Frust zu „überstehen“ und so manchem „Kritiker“ einmal über seine „Empathie“ nachzudenken.
In diesem Sinne wünsche ich Euch allen eine schöne und gesegnete Woche.
Euer P. Gräwe
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