Gedanken zu 13. Sonntag nach Trinitatis

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Gedanken zu 13. Sonntag nach Trinitatis

Christus spricht: Das, was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Mt 25,14b

Liebe Schwestern und Brüder!

Im Gleichnis vom großen Weltgericht, aus dem unser Wochenspruch genommen ist, geht es nicht um eine ultimative letzte Warnung  Jesu mit erhobenem Zeigefinger, um der ewigen Verdammnis zu entgehen, hier geht es vielmehr um, einerseits, Solidarität, und zum anderen, um das, was bei Gott und damit auch in seinem Reich wichtig ist und zählt. Die Hinwendung zum anderen Menschen, vor allem zu denen, die in Not sind und unsere Hilfe brauchen, zählt bei Gott mehr als Macht, Reichtum, Anerkennung und Wohlstand. In dem, der unsere Hilfe braucht, spiegelt sich somit nicht nur der Wille Gottes, sondern in ihm wird das Angesicht Christi selber sichtbar. Was er auf dieser Erde bewirken wollte und welche Ausrichtung er hatte, bis hin zu seinem Tod am Kreuz für unsere Schuld, wird darin deutlich, wie wir uns umeinander kümmern. Indem wir das tun, was auch er für die Menschen getan hat, stehen wir ganz in der Nachfolge Christi. 

Die Frage ist aber nun: Wer sind denn nun eigentlich die, die zu den geringsten Brüdern gezählt werden? Und bei dieser Frage wird es ja nun schwierig. Denn die Welt besteht eben nicht ausnahmslos nur aus schwarz und weiß, oh nein, da gibt es viele Graustufen. Hier nur ein Beispiel aus meiner damaligen Praxis. Da steht ein junger Mann vor meiner Tür und bittet um 5€. Gut, sage ich, ich helfe dir und gebe ihm das Geld. Wenig später sehe ich ihn vor einem Supermarkt sitzen mit einer Flasche Bier in der Hand. Ach, dachte ich, dafür sind die 5E also draufgegangen. Eigentlich waren sie dazu gedacht, seinen Hunger zu stillen. Das ist die eine Seite. Aber auch die andere Seite will ich nicht verschweigen. Auch wieder ein junger Mann, der Geld will. Gut sage ich, dafür könnten sie mir im Garten helfen. Der junge Mann war dazu bereit. Seit der Zeit kam er regelmäßig, um zu helfen und das Geld, das er dafür bekam legte er Nahrung und Kleidung an. Also, auch das gibt es. Aber wie unterscheidet man denn nun beides voneinander? In all den Jahren meines Dienstes habe ich da keine Patentlösung gefunden. Mal liegst du richtig und mal liegst du falsch. Und was ist nun die Konsequenz? 

Interessant an unserem Gleichnis vom Weltgericht ist ja, dass die ganze Szene am Ende aller Zeiten stattfindet, da wo Jesus wiederkommt, um zu richten. Und auch das ist wichtig: ER richtet und ruft nicht uns dazu auf. Unsere Aufgabe ist es nicht, zu unterscheiden zwischen gut und schlecht, unsere Aufgabe ist es, da zu helfen, wo wir die Not der anderen sehen und einzuschreiten, ungeachtet dessen, ob das nun richtig oder falsch ist. Damit geraten aber nun nicht allein diejenigen in den Blick, die unter materieller Armut leiden, vielmehr auch die, die seelische Unterstützen brauchen, sprich, einfach einmal jemanden zu reden und zuhören brauchen. 

Nimm dir Zeit, mit denen in Gespräch zu kommen, die jemanden zu reden brauchen, hör einfach mal zu, was sie zu sagen haben und welches Leid sie plagt. Auch die gehören zu den geringsten Brüdern und Schwestern. Im Reich Gottes, so sagt es unser Gleichnis, sind diese Dinge wichtig und zählen, nicht so sehr die persönliche Karriere, das „nach oben kommen“ und der persönliche Erfolg. Mit diesem Gleichnis will Jesus, wie gesagt, nicht drohen, sondern nur klarstellen, worum es eigentlich geht und was im Reich Gottes wichtig ist. Es ist weder ein Aufruf, sonntags mal ein wenig mehr in den Klingelbeutel zu werfen, frei nach dem Motto: Gott liebt die Scheinwerfer, noch eine Drohung vor der ewigen Hölle. Und ich denke manchmal: Wie viel besser würde es doch in der Welt laufen, wenn alle so denken würden, statt Krieg ein miteinander, statt Gewalt, ein sich umeinander kümmern.  

In diesem Sinn wünsche ich Euch allen eine schöne Woche

Euer P. Gräwe             

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